| Kommentar zum Toponym: |
Kommentar (Köhner)
a) Lesung und Rekonstruktion des Namens
Veios
b) Moderne(r) Name(n) und Verortung(en)
Veio
c) Namensformen belegt bei antiken Autoren
Veientum [iuvenes] (Serv. Auct. Ad Verg. Aen. 8,697 = Cato FRH 3 orig. 2,19 F 48 Peter), πρὸς Οὐηιεντανοὺς (Diod. 11,53,6), Οὐηίοι (Strab. geogr. 5,2,9), Veientani (Plin. nat. 3,52), Veiens ager (Plin. nat. 3,53), municipes municipi(i) / Augusti Veientis (CILXI 3797, dat. 1-37 n. Chr.), Centumviri municipii Augusti Veientis (CIL XI 3805, dat. 26 n. Chr.), municipium Aug(ustum) Veios (CIL XI 3808, dat. 231-270 n. Chr.), Beios (Geogr. Rav. p. 71.29)
Liv. (OCT: PHI) 2.53.2, Liv. (OCT: PHI) 4.25.8, Liv. (OCT: PHI) 4.31.9, Liv. (OCT: PHI) 5.22.8, Liv. (OCT: PHI) 5.24.5, Prop. 4.10.27-30
d) Datierung der Namensform auf der TP
Die Stadt gehört zum etruskischen Zwölfstädtebund und dürfte damit den ältesten Autoren bereits seit archaischer Zeit bekannt sein. Sie zählt zu den größten Gegnern der Frühzeit Roms. Die früheste überlieferte literarische Erwähnung findet sich laut Servius bei Cato dem Älteren, außerdem bei Diodor, ihr Eintrag auf der Karte ist damit spätestens späthellenistisch beziehungsweise republikanisch zu datieren.
e) Bedeutung des Toponyms in der Antike
Miller, Itineraria, Sp. 291:
Veios, Beios (Ra), Veii (St, Dion Hal, Cic, Liv, Pl, Iss), Veientes (Cic, Liv, Eutr, 4 Iss) oder Veientani (Pl, I), alte tuscische Stadt am Fluß Cremera auf einem hohen und steilen Felsen, an der via Cassia, 12 (k?)m nördlich von Rom, beherrschte den Verkehr mit dem Norden, Haupt des südlichen Etruriens; so günstig und bedeutend unter den 12 Bundesstädten, dass man nach der Zerstörung Roms durch die Gallier sie zur Hauptstadt des römischen Staates zu machen gedachte (Liv). 425 v. Chr., nach 10jähriger Belagerung erobert (oder 396 - 6 Jahre vor der Einnahme Roms durch die Gallier?), zerfiel sie, war nur noch munic., Augusta Veiens. (Iss), von Cäsar mit einer Kolonie Veteranen bedacht, mit Burg und berühmtem Junotempel; von zwei Flüßchen durchschnitten, die sich hier vereinigen. Die Zitadelle liegt auf einem isolierten turmartigen Hügel mit kleinem Plateau. Via Veientana; j. Ruinen beim Dorf Isola Farnese mit noch vorhandenen Zyklopenmauern, zwei Brücken und alten Felsengräbern, besonders der Grotta Campana und Columbario. Rings um Vei Tumuligräber. Iss: CIL XI 3777-3844. Gleich nach Veios bei der Osteria la Storta, nicht erst bei Ad VI, mündet die via Clodia und die Acqua Paola ein.
DNP: Veii
(Οὐιοί, Βηϊεντία/Bēïentía; etr. Vei(s)). Etr. Stadt (App. It. 8,1; Liv. 5,22,8; 5,24,6; Eutr. 1,20) auf der Hochebene (ca. 180 ha) zw. Cremera (h. Valchetta) im Norden und dem h. Piordo im Süden, 15 km nördl. von Rom bei der h. Isola Farnese. Erh. haben sich Zeugnisse der Protovillanova- (10. Jh. v. Chr.) und der Villanova-Zeit (9./8. Jh. v. Chr.), in der hier mehrere Siedlungen (Nekropolen: Pozzetto- und Fossagräber, Beigaben lokalen Handwerks sowie aus anderen etr. Städten, aus Latium und aus Mitteleuropa) entstanden (s. Plan). Aus dem 7. Jh. v. Chr. stammen teilweise bemalte Kammergräber (Tomba delle Anatre, Tomba Campana; Grabbeigaben: handgefertigte Keramik, lokale und importierte Br.-Ware). Im 6. Jh. v. Chr. wurde auf der vermutlichen “Akropolis” (der h. Piazza d`Armi) ein Tempel errichtet (s. Detailplan). Erste Heiligtümer wie das von Portonaccio entstanden. In Keramikwerkstätten von V. sollen die Tarquinii (Tarquinius [11-12]) die Kultstatue und Dekoration für den Tempel (V. C. mit Abb. 1) des Iuppiter Capitolinus in Rom in Auftrag gegeben haben (Varro bei Plin. nat. 35,157; Plut. Publicola 13,1). Im 5. Jh. entstand ein über das große Gebiet von V. (ager Veientanus) gespanntes Wasserversorgungsnetz, desgleichen die Festungsmauern der Stadt.
V. soll schon z. Z. der röm. Könige (Romulus [1]: Liv. 1,15; Dion. Hal. ant. 2,54 f.; Plut. Romulus 3,23 f.; Tullus Hostilius [4]: Dion. Hal. ant. 3,23 f.; Liv. 1,27,3-11; Ancus Marcius [I 3]: Dion. Hal. ant. 3,41) mit Rom in einen Konflikt geraten sein (Rückprojektion späterer Ereignisse in die Königszeit?), der sich wohl am Herrschaftsanspruch über das Gebiet der Septem Pagi (Liv. 1,15,5; 2,13,4; Dion. Hal. ant. 2,55,5; Plut. Romulus 25,5) und der Salinen rechts der Mündung des Tiberis sowie von Fidenae links des Tiberis entzündet hatte. Nach verschiedenen Zusammenstößen (vgl. Vir. ill. 15; Liv. 2,48,8 ff.; 4,20,5 ff.; Dion. Hal. ant. 9,14 f.; Diod. 11,53) kam es E. des 5. Jh. v. Chr. zu einem zehnjährigen Krieg zw. V. und Rom (Flor. epit. 1,6), der 396 v. Chr. mit der Niederlage von V. endete. Die Stadt wurde zerstört, ihr Gebiet von Rom annektiert (Einrichtung von vier neuen tribus : Liv. 6,5,8; Diod. 14,16). Auf dem Gebiet von V. (z.Z. von Prop. 4,10,9 noch verlassen) entstand in spätrepublikanischer Zeit ein municipium (z.Z. von Strab. 5,2,9 bereits gegr.), nachmals municipium Augustum Veiens (CIL XI 3797; 3805; 3808). Arch. nachgewiesen (s. Plan) sind die Stadtmauer mit NW-Tor, Fundamente von Häusern und Tempeln, so eines Minerva-Tempels, der auch nach der Zerstörung der Stadt Anf. des 4. Jh. bestand (außerhalb der Stadtmauern der sog. Portonaccio-Tempel, wo die Apollon-Statue des Vulca aus V., h. in der Villa Giulia, Rom, gefunden wurde); Zisternen, Nekropolen. [Camporeale, Giovannangelo; Ü:J.W.MA.]
f) wenn vorhanden: Kommentar zur Vignette
g) Kommentar zur Einzeichnung auf der TP (Gestaltungsfehler/Folgefehler?)
h) Hinweise zum Streckennetz und den Distanzangaben
|
| Literatur: |
[1] Camporeale, Giovannangelo, Veii, in: DNP 12,1 (2002), Sp. 1157-1160.
[2] Desjardins, Table, p. 141, col. 1, no. 1 - p. 142, col. 2.
[3] Miller, Itineraria, Sp. 291.
[4] Nissen II 356.
__________________________
Weiss, Ingeborg, Italienbücher, S. 13.
Ward Perkins 1961.
J. B. Ward-Perkins, V. The History and Topography of the Ancient City, in: PBSR 29, 1961, 1-123.
M. Moretti, J. B. Ward-Perkins et al., V. (Isola Farnese). Scavi in una necropoli villanoviana in località "Quattro Fontanili", in: NSA 17, 1963, 77-236; NSA 19, 1965, 49-236; NSA 21, 1967, 87-286; NSA 24, 1970, 178-329; NSA 1972, 195-384.
M. Cristofani, F. Zevi, La tomba Campana di V., in: ArchCl 17, 1965, 1-35.
A. P. Vianello Córdova, Una tomba “protovillanoviana” a V., in: SE 35, 1967, 295-306 .
M. Cristofani, Le tombe da Monte Michele, 1969.
L. Vagnetti, Il deposito votivo di Campetti a V., 1971.
G. Bartoloni, F. Delpino, Monumenti antichi pubblicati per cura della Reale Accademia dei Lincei 1, 1979.
F. Delpino, Cronache veientane, 1985.
G. Colonna, Note preliminari sui culti del santuario del Portonaccio a V., in: Scienze dell`Antichità 1, 1987, 419-446.
A. Comella, G. Stefani, Materiali votivi del santuario di Campetti a V., 1990.
A. Guidi, La necropoli veiente dei Quattro Fontanili, 1993.
[Standard-Literatur-Liste im PDF-Format]
|