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Ausschnitt aus der Tabula Peutingeriana - Rom

Tabula Peutingeriana – Einzelanzeige

Toponym TP (aufgelöst):

Templum Mineruae (Templum Minervae)

Name (modern):

Heiligtum an der Punta della Campanella

Bild:
Zum Bildausschnitt auf der gesamten TP
Toponym vorher -     Surrento     
Toponym nachher
Alternatives Bild ---
Bild (Barrington 2000)
Bild (Scheyb 1753) ---
Bild (Welser 1598) ---
Bild (MSI 2025) ---
Pleiades: https://pleiades.stoa.org/places/432937
Wikipedia https://it.wikipedia.org/wiki/Punta_Campanella
Großraum:

Italien

Toponym Typus:

Ortsname mit Symbol

Planquadrat:

5C5

Farbe des Toponyms:

schwarz

Vignette Typus :

B Haus

Itinerar (ed. Cuntz):

 

Alternativer Name (Lexika):

 

RE:

Minervae promunturium - https://elexikon.ch/RE/XV,2_1805.png

Barrington Atlas:

Minerva, T. (44 F4)

TIR / TIB /sonstiges:

 

Miller:

Templum Minervae

Levi:

Templum Minervae (B,10)

Ravennat:

Minerba (p. 85.31)

Ptolemaios (ed. Stückelberger / Grasshoff):

 

Plinius:

promunturium Minervae (3,62)

Strabo:

Ἀθηνᾶς ἱερόν (5,4,8)

Datierung des Toponyms auf der TP:

frühe Kaiserzeit (einschließlich Flavier)

Begründung zur Datierung:

Breit bezeugt in den antiken Quellen seit Ovid ist das promunturium Minervae. Das Heiligtum der Minerva bzw. Athene nennen als solche nur Strabo sowie Seneca, als Straßenstation noch der Geograph von Ravenna, sein Eintrag auf der Karte ist damit spätestens frühkaiserzeitlich zu datieren.

Kommentar zum Toponym:

Kommentar (Köhner)
a) Lesung und Rekonstruktion des Namens
Templum Minervae

b) Moderne(r) Name(n) und Verortung(en)
Liegt an der heutigen Punta della Campanella

c) Namensformen belegt bei antiken Autoren
promunturiumque Minervae (Ov. Met. 15,709), ut promunturium iis Minervae velut cardo in medio esset (Liv. 40,18,8), in Campania ad Minervae promunturium (Liv. 42,20,3), Ἀθηνᾶς ἱερόν (Strab. geogr. 5,4,8), Minervae promunturium (Mela 2,69), Cum intravere Capreas et promunturium ex quo alta procelloso speculatur vertice Pallas (Sen. Epist. 77,2), Surrentum cum promunturio Minervae, Sirenum quondam sede (Plin. nat. 3,62), e vertice Surrentino (Stat. Silv. 5,3,165), Surrentini promunturii (Tac. ann. 4,67), Minerba (Geogr. Rav. p. 85.31)
. Lucil 125 Marx. Appian. Bell. Civ. V 98. Eratosth. Bei Strab. I 22. V 247.

Etymologische Herleitung des Namens
Laut Strabo handelt es sich um ein Heiligtum für Athene, das von Odysseus gegründet wurde, vgl. (Strab. geogr. 5,4,8),

d) Datierung der Namensform auf der TP
Breit bezeugt in den antiken Quellen seit Ovid ist das promunturium Minervae. Das Heiligtum der Minerva bzw. Athene nennen als solche nur Strabo sowie Seneca, als Straßenstation noch der Geograph von Ravenna, sein Eintrag auf der Karte ist damit spätestens frühkaiserzeitlich zu datieren.

e) Bedeutung des Toponyms in der Antike
Pleiades: An ancient temple of Minerva, located on the ancient cape that also was known by the goddess` name.

Miller, Itineraria, Sp. 364:
Templum Minervae, Minerba (Ra), Minerva (Gu); auf dem Prom. Minervae (autores), Athenaeum (St) – der Tempel der Minerva (St), ein der Sage nach von Odysseus selbst erbauter Tempel der Athene, der an der Meerenge selbst steht (St), dann folgen die 3 Sireneninseln. Halbinsel und Stadt Sorrent waren der Minerva geweiht (Stat); wer in den Golf einfuhr, pflegte der Göttin eine Spende darzubringen (Stat); j. am Cap Campanella. Auf der Halbinsel befanden sich noch mehrere Tempel, wie der der Juno und der der Sirenen. Statt dessen schiebt Gu ein: Amalfi (am Meer zwischen Surrento und Salermo), es führt aber keine Straße nach Salerno über Amalfi.

Strab 5,4,8:
An Pompaia schließt sich das kampanische Surrentum an, von wo das Athenaion vorspringt, das Manche das Sirenussen-Vorgebirge nennen, auf seiner Spitze ist ein von Odysseus gegründetes Athenaheiligtum. Von hier ist es eine kurze Überfahrt zu der Insel Capreae, und wenn man das Vorgebirge umschifft hat, sind dort kleine unbewohnte felsige Inseln, die man Sirenen nennt. Auf der nach Surrentum blickenden Seite zeigt man ein Heiligtum und alte Weihgeschenke (der Ort wird von den in der Nähe Wohnenden verehrt). Hier hat der Golf der Krater genannt und von zwei nach Süden blickenden Vorgebirgen, Misenum und Athenaion, begrenzt wird sein Ende; er ist ganz und gar umsäumt einmal mit den Städten die wir genannt haben zum anderen mit den Wohnbauten und Anpflanzungen die dazwischenliegen und durch ihre ununterbrochene Folge den Anblick einer großen Stadt bieten.

RE: Minervae promunturium (Ἀθηνᾶς ἄκρον Strab. V 247) ist das Kap, das den Golf von Kyme von dem von Posidonia trennt, die heutige Punta Campanella (47m), über die sich der Monte S. Costanzo (498) erhebt. Hier auf dem Berge war ein berühmter Tempel der Minerva, der dem Kap den Namen gab. Dieser Athena-Tempel bestand noch zu Senecas Zeiten (ep. 88,2) und war, da an diesem Vorsprung Kampaniens so viele Schiffe vorüber mussten, weithin bekannt, wird infolgedessen auch häufig in der Literatur genannt: Liv. XL 18. XLL 20. Plin. n. h. III 62. Lucil 125 Marx. Appian. Bell. Civ. V 98. Eratosth. Bei Strab. I 22. V 247. Ovid. Met. XV 709. Mela II 69. Ein anderer Name des Kaps entstand aus einer etymologischen Spielerei, die aus Plin. n.h. III 62 gut erkennbar ist. Surrentum cum promunturio Minervae, Sirenum quondum sede. Offensichtlich bringen Cato oder Varro Surrentum mit Sirenum zusammen! Zum promunturium Sirenum gehören dann die petrae Sirenum, die unbewohnten Felsklippen 8 km östlich im Golf von Posidonia, die heutigen „li Galli“: Strab. V 247. I 22. Dion. Per. 360 mit Schol. Mela II 69. Ptolem III 1,69. Verg. Aen. V 864 (s. Sirenianus mons). Ebenso galt Odysseus als der Gründer des Tempels, dessen Göttin die vorüberfahrenden Schiffer durch Weinspenden gnädig zu stimmen suchten, da natürlich an dieser Klippe, in der Bocca piccola, der Durchfahrt zwischen dem Festland und Capri gelegentlich auch rauhe See war: Stat. silv. III 2,24. Strab. V 247. Damit hängt dann weiter zusammen, dass auch Surrentum gelegentlich den Beinamen Minervium führte (Appian. Bell. Civ. I 42) und auch der Name promunturium Surrentinum statt Sirenum 8Tac. Ann. IV 67. Stat. silv. V 3,165). Vgl. Nissen It. Ldk. II 767. [Philipp]

f) wenn vorhanden: Kommentar zur Vignette
B-Vignette, die zusammen mit dem Namen Templum auf einen Kultort der Minerva bzw. Athena hinweist, vgl. Strab. geogr. 5,4,8.

g) Kommentar zur Einzeichnung auf der TP (Gestaltungsfehler/Folgefehler?)
An der Spitze des Vorgebirges müsste eigentlich der Tempel der Minerva eingezeichnet sein, nicht die Stadt Surrent, die weiter Richtung Stabiae liegt. Da das Kap in den späteren Quellen (Statius und Tacitus) auch als promunturium Surrentinum bekannt ist, könnte der Kopist die beiden Orte auch deshalb miteinander vertauscht haben. Die Reihenfolge der Orte Surrent –> Minerba –> Stabios bietet auch der Ravennat (vgl. Geogr. Rav. p. 85.31-32).

Interessanterweise ist auf der Tabula direkt gegenüber an der nordafrikanischen Küste ebenfalls ein Vorgebirge eingezeichnet mit einer Tempelvignette und dem Toponym Templum Veneris. Dies ist ein weiterer Beleg für die Bestrebung der Kartenzeichner, die dargestellte Welt symmetrisch/harmonisch aufzubauen.
Interessanterweise liegt der Tempel in Nordafrika direkt an der Spitze des Vorgebirges, was meines Erachtens dafürspricht, dass der Minervatempel im Kopierprozess mit Sorrent Platz getauscht hat.

h) Hinweise zum Streckennetz und den Distanzangaben
-

Literatur:

[1] Desjardins, Table, p. 228, col. 2-3, no. 3.

[2] Guzzo 1992.

[3] Miller, Itineraria, Sp. 364.

[4] Nissen It. Ldk. II 767.

[5] Philipp, Hans, Minervae promunturium, in: RE XV.2 (1932), Sp. 1806.

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Letzte Bearbeitung:

28.11.2025 10:45


Cite this page:
https://www1.ku.de/ggf/ag/tabula_peutingeriana/einzelanzeige.php?id=522 [zuletzt aufgerufen am 29.11.2025]

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